
Studiengebühren und Lehrevaluationen bieten den angehenden Akademikern ein bisher nicht gekanntes Mitspracherecht. Anfangen können damit die Wenigsten etwas. Vierzig Jahre ist es nun her, dass eine ganze Generation gegen das elterliche Establishment aufbegehrte, ...
dass Universitäten zu Brutkammern der Revolte wurden und die Führungspersönlichkeiten von morgen im "Jetzt" Steine warfen.Die Republik hielt den Atem an und für einen kurzen Moment schien es so, also ob die Macht in den Händen der Studierenden lag. Heute ist das Bild auf dem Campus durch Strebsamkeit geprägt, weil die jungen Abiturienten das Joch der Schule auch an der Uni nicht abstreifen können – weil Bachelor und Master keine Fehler und durchzechten Nächte mehr verzeihen. Die Macht liegt nicht auf der Straße, sie steckt im Portemonnaie. Immerhin rund 7,6 Millionen Euro bringen die Studierenden an den drei Braunschweiger Hochschulen jedes Semester mit auf den Campus, damit sie bleiben und lernen dürfen. Auch die neuen W-Professuren schenken den Studierenden Einfluss – und zwar in Form der eher verpönten Evaluationsbögen, die am Ende des Semesters ausgeteilt werden. Sie erlauben nicht nur das rein informelle „Nachtreten" gegen vermeintliche „harte Hunde" im Professorium, sondern sind für den Lehrenden mitunter auch mit finanziellen Einbußen verbunden. Zusätzlich zum Grundgehalt werden bei der W-Besoldung nämlich so genannte Leistungsbezüge gezahlt – auch für gute Lehre. 150 Euro brutto im Monat kann die unbeliebte Grundlagenvorlesung oder eine strenge Notenvergabe den Professor kosten. Eine weitere Willensbekundung von Studierenden erfolgt, wenn das Studium vorbei ist und erfolgreich war. Nicht erst seit Richard Floridas „Who's Your City" wissen wir vom städtischen Ringen um junge Eliten. Aufstrebende Akademiker sind wieder wer. Sie versprechen blühende Landschaften. Wo sie massenhaft flüchten, droht der schleichende, aber sichere Niedergang. uni38 hat sich für euch aufgemacht und den Einfluss der Studierenden genau unter die Lupe genommen. Neben dem Mitspracherecht bei der Vergabe von Studiengebühren haben wir bei der Vizepräsidentin für Lehre, Studium und Weiterbildung der TU Braunschweig, Prof. Heike Faßbender, die Praxis der Lehrevaluation hinterfragt. Auch die Onlineplattform MeinProf.de haben wir unter die Lupe genommen. Also: Studierende an die Macht!
B. Crone, H. Isermann, H. Zelder